Die Logopädie ist ein sehr vielfältiges Feld mit zahlreichen Störungsbereichen. Grundsätzlich behandeln wir fast alle Störungsbilder, die in den logopädischen Arbeitsbereich fallen.

Auf dieser Seite finden Sie die Bereiche, in denen sich unser Team gezielt fortgebildet hat. Hier können Sie sicher sein, dass wir über fundiertes Fachwissen verfügen und mit Leidenschaft, Erfahrung und Engagement für Sie da sind.

Tipps für Eltern

Die folgenden 7 Regeln sind kein Therapieersatz, aber sie helfen schon einmal weiter und können die Sprachentwicklung Ihres Kindes im Alltag unterstützen.

  1. Passendes Material: Wählen Sie Spielzeug, das Ihr Kind spannend findet und leicht erkennt.

  2. Impulse geben: Bringen Sie eigene Ideen ein oder schaffen Sie kleine Probleme, die Ihr Kind im Spiel lösen kann.

  3. einfache Aufträge: Geben Sie klare, kurze Anweisungen und spielen Sie notfalls vor, was gemeint ist.

  4. Bedeutung geben: Deuten Sie Handlungen Ihres Kindes spielerisch. Ihr Kind erkundet beispielsweise ein Spielzeugauto, dann sagen Sie „Ah, du reparierst das Auto!“.

  5. Liebevoll zurückholen: Lenkt sich Ihr Kind ab, holen Sie es freundlich ins Spiel zurück.

  6. Gefühle benennen: Sprechen Sie auch über Dinge, die man nicht sieht: Freude, Wünsche, Stolz.

  7. Sprache gezielt einsetzen: Kommentieren Sie nicht nur Offensichtliches, sondern nutzen Sie passende Momente für Sprache mit Bedeutung.

Verbale Entwicklungsdyspraxie (VED):
„Mein Mund macht nicht, was mein Kopf will.“

Die verbale Entwicklungsdyspraxie (VED) ist eine seltene, aber besonders einschneidende Sprechstörung bei Kindern. Sie betrifft die Steuerung der Sprechbewegungen im Gehirn.

Das Kind weiß genau, was es sagen möchte, kann aber die Bewegungen der Zunge, der Lippen und des Kiefers nicht genau planen und ausführen. Dabei sind die beteiligten Muskeln unbetroffen. Es liegen auch keine Sensibilitätsausfälle, Sprachverständnisschwierigkeiten oder Aufmerksamkeitsdefizite vor.

Der Mund gehorcht nicht den Befehlen vom Gehirn, was für das Kind höchst frustrierend sein kann.

Das Störungsbild ist selten, nur ca. 5% aller aussprachegestörten Kinder sind betroffen. Eine VED zeigt sich in unterschiedlichen Schweregraden und Ausprägungsformen und kann sich daher bei jedem Kind anders darstellen.

Unterschied zu Lautvertauschungen

Muss ein 2-jähriges Kind bereits die Worte „tschechisches Streichholzschächtelchen“ korrekt aussprechen können?

Natürlich nicht, denn die Laute der Muttersprache müssen erst entdeckt werden, sprich: als vorhanden wahrgenommen und von ähnlich klingenden Lauten unterschieden werden. Es ist also ein völlig normaler Prozess der kindlichen Sprachentwicklung, Laute zu vertauschen oder auszulassen. Das Kind sagt z.B. „Tuh“ statt „Kuh“ oder „Is habe eine Bume demalt“ statt „Ich habe eine Blume gemalt“. Dies nennt man „phonologische Prozesse“.

Jeder Laut und jede Lautkombination hat dabei eine wissenschaftlich untersuchte Altersgrenze. Wird diese überschritten, sinkt die Wahrscheinlichkeit, die sprachlichen Verzögerungen eigenständig wiederaufholen.

Bei einer VED hat das Kind die Laute meist schon als vorhanden oder unterschiedlich erkannt. Die Schwierigkeiten entstehen bei der Planung und Durchführung der Sprechbewegungen und das Kind kann die nötigen Bewegungsanpassungen nicht zuverlässig und vor allem willkürlich abrufen.

Ursachen

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird ein Zusammenspiel von genetischen Faktoren und Besonderheiten in der Hirnentwicklung. Eltern sind nicht „schuld“ und eine VED ist keine Erziehungsfrage.

Symptome

In der Vorgeschichte zeigt sich oft:

  • ruhige, wenig plappernde Babys/Kleinkinder

  • wenig/kein Nachplappern oder sprachliche Imitation

  • sehr später Sprechbeginn, meist nicht vor 3 Jahren, bei gutem Sprachverständnis

  • Schwierigkeiten beim Essen und Trinken, z.B. Kleckern, Schlabbern, Schmatzen, wenig Kauen, Trinkprobleme als Säugling oder später, Ablehnung bestimmter (meist härterer) Speisen

  • hohe Empfindlichkeit bei Berührungen im oder am Mundbereich, z.B. beim Zähneputzen

  • alternative Kommunikationsversuche über Mimik, Gestik oder Lautmalereien

Sprachlich:

  • kaum verständliche Sprache für Fremde, Bekannte, Bezugspersonen oder das familiäre Umfeld. Es „fällt einem nicht ins Ohr“.

  • Anstieg der Fehlerquote mit steigender Äußerungslänge und -komplexität

  • spricht nur wenige Laute überhaupt, bevorzugt ein Lautmuster, z.B. nur D/T wie „du hat eine töne Dude“ = „du hast eine schöne Blume“ oder K/G wie „gu hak einge gönge Guge“

  • Schwankungen in der Sprechleistung, „Verlust“ bereits beherrschter Laute und Wörter

  • Suchbewegungen und/oder stilles Positionieren der Sprechmuskulatur

  • Sprechanstrengung

  • deutlich verlangsamte Sprechweise

  • ungewöhnliche Sprechpausen

  • Phasen von Stottern

  • beeinträchtigte Sprechmelodie (monoton, wenig Akzentuierung)

  • gestörte Sprechatmung und Stimmgebung (Schnappatmung, Lautstärke- und Tonhöhenschwankungen)

Verhalten:

  • hohes Störungsbewusstsein

  • sozialer Rückzug

  • starkes Klammern an Bezugspersonen

  • benötigt einen „Übersetzer“

  • aggressives Verhalten (gegenüber sich selbst oder anderen)

  • kasperndes Benehmen

  • Resignation, Frustration, Traurigkeit, Wutausbrüche

  • Verweigerung bei Sprechaufforderung

Die betroffenen Kinder sind in der Regel sprechfreudig, oft aber durch das Störungsbewusstsein und die Frustration mit den wenig effizienten Sprechversuchen zurückgezogen. Die Kinder wissen, was sie sagen wollen und sollten, auch wie es korrekt sein müsste, erleben aber dann Schwierigkeiten bei sich selbst genau mit.

Das Kind möchte, aber kann nicht.

Strenge oder Vorsprechen und Ähnliches führen nur zur Steigerung der Problematik und dem negativen Erleben.

Zitat: „Mein Mund macht nicht, was mein Kopf will.“ (VED-Kind, 7 Jahre)

Diagnostik

Eine sichere Diagnose braucht eine umfassende logopädische Untersuchung. Dabei schauen wir unter anderem:

  • welche Laute das Kind bewusst und unbewusst bilden kann

  • wie konstant diese Laute gebildet werden

  • wie das Kind mit Mehrfachwiederholungen umgeht

  • wie das Kind mit ansteigender Geschwindigkeit und Komplexität umgeht

  • ob es andere Einflussfaktoren auf das Sprechen gibt

Manchmal ist die Abgrenzung zu anderen Sprach- und Sprechstörungen schwierig und braucht Zeit.

Therapie

Die Behandlung einer VED ist langfristig und intensiv, aber sehr wirksam. Eine VED ist grundsätzlich vollständig „heilbar“. Ziel ist es, lautliche Bewegungsabfolgen über das Bewusstsein so lange einzuschleifen, bis sie automatisiert sind. Dabei muss nicht jeder Laut einzeln erarbeitet werden, da ein Übertragungseffekt auf ähnlich gebildete Laute stattfindet.

Je früher eine VED erkannt wird und je früher eine Therapie beginnt, desto erfolgsversprechend ist sie.

Sowohl Kinderärzte als auch Logopädinnen haben ihre eigenen Fachbereiche. Nicht jeder Arzt – und auch nicht jede Logopädin – ist mit allen Störungsbildern, zum Beispiel einer VED, vertraut. Deshalb gilt: Sie kennen Ihr Kind am besten!

Wenn Sie sich Sorgen machen, vertrauen Sie Ihrem Gefühl und holen Sie im Zweifel eine logopädische Abklärung oder eine Zweitmeinung ein.

Rolle der Eltern

Eltern sind ein zentraler Teil der Therapie, denn Kinder mit einer VED brauchen vor allem Geduld, Verständnis und Ermutigung. Es ist wichtig, den Druck aus Sprechsituationen zu nehmen. Kritik wie „Das war falsch, sag es nochmal richtig“ verstärkt die Blockaden nur.

Ein hilfreicher Grundsatz lautet: Der Mund macht Fehler, nicht das Kind. Statt zu korrigieren können Sie zum Beispiel sagen: „Da hat dein Mund wieder Quatsch gemacht.“. Das Kind möchte sprechen, aber es kann die Bewegungen noch nicht zuverlässig abrufen. Diese Entlastung hilft, Frust zu vermeiden und das Selbstvertrauen zu stärken.

Gleichzeitig ist das regelmäßige, konstante Üben zu Hause entscheidend für den Therapieerfolg. Wenige Minuten am Tag werden viel bewirken, wenn sie kontinuierlich stattfinden.

Fazit

VED ist für betroffene Kinder und Familien eine große Herausforderung. Aber: frühe Diagnose, spezialisierte Therapie und liebevolle Unterstützung durch die Eltern ermöglichen Kindern, ihre Sprechfähigkeit Schritt für Schritt zu entfalten.

Mutismus – Einfach erklärt

Was ist Mutismus?

Mutismus ist eine psychische Störung der Kommunikation, bei der ein Kind oder Jugendlicher trotz vorhandener Sprach- und Sprechfähigkeiten in bestimmten Situationen nicht spricht. Zu Hause sprechen die Kinder oft ganz normal, in Kindergarten oder Schule hingegen bleiben sie stumm.

Es handelt sich nicht um eine Störung der Sprachentwicklung selbst, sondern um eine Angst- und Verhaltensstörung, die meist im Vorschul- oder Grundschulalter sichtbar wird.

Begriff & Definition

  • Selektiver Mutismus: Kind spricht nur in vertrauten Situationen (z. B. zu Hause), in anderen Kontexten (z. B. Schule) schweigt es.

  • Totaler Mutismus: Kind spricht über einen längeren Zeitraum überhaupt nicht, auch nicht in vertrauten Situationen (selten).

  • Mutismus ist keine Trotzreaktion und auch keine Sprachunfähigkeit.

  • Er zählt zu den Angststörungen (ICD-10/ICD-11, DSM-5).

  • Diagnose erfolgt meist durch Kinder- und Jugendpsychiater:innen in Zusammenarbeit mit Psycholog:innen und Logopäd:innen.

Unterschiede: Mutismus vs. Schüchternheit

Mutismus

Schüchternheit

Anhaltendes Schweigen in bestimmten Situationen trotz Sprachvermögens

Kurzzeitige Unsicherheit in neuen Situationen

Klare Einschränkung im Alltag & in der sozialen Teilhabe

Keine dauerhafte Beeinträchtigung

Angststörung mit Leidensdruck

Normale Charaktereigenschaft

Therapie unbedingt notwendig

Meist kein Therapiebedarf

Mutismus – Verstehen, Unterstützen, Fördern

Ursachen – Woher kommt Mutismus?

Innere Faktoren

  • Angststörung: Mutismus wird als Sonderform von sozialer Angst gesehen.

  • Familiäre Häufung: Angststörungen oder Mutismus können genetisch mitbedingt sein.

  • Sprach- und Sprechstörungen in der Vorgeschichte: z. B. Artikulationsstörungen, Sprachentwicklungsstörungen.

  • Temperament: sehr sensible, zurückhaltende oder perfektionistische Kinder sind häufiger betroffen.

  • Traumata: in seltenen Fällen Auslöser (z. B. Verlust, schwere Krankheit).

Äußere Faktoren

  • Mehrsprachigkeit: kann das Auftreten begünstigen, wenn zusätzlich Ängste bestehen.

  • Familiäre Belastungen (Trennung, Konflikte, psychische Erkrankungen der Eltern).

  • Soziale Situationen mit hohem Druck oder Stress (z. B. Schule, Erwartungen).

  • Überbehütung oder autoritäre Erziehung.

Welche Vorläuferfähigkeiten sind wichtig?

Eine gesunde Kommunikation setzt voraus:

Auditive Verarbeitung

  • Sprache verstehen und verarbeiten können.

Visuelle Wahrnehmung & soziale Kognition

  • Blickkontakt aufnehmen, Mimik deuten.

Soziale Interaktion

  • Sich in Gruppen beteiligen, Fragen beantworten.

Emotionale Stabilität

  • Ängste kontrollieren, Vertrauen aufbauen.

Symptome – Woran erkennt man Mutismus?

  • Schweigen in Kindergarten/Schule oder gegenüber bestimmten Personen.

  • Normale Sprachfähigkeit zu Hause im vertrauten Umfeld.

  • Vermeidung von Blickkontakt, eingefrorene Körperhaltung.

  • Kommuniziert nonverbal (Gesten, Nicken, Schreiben).

  • Starker Leidensdruck bei Aufforderung zum Sprechen.

  • Rückzug, Isolation, Ängste, somatische Beschwerden (Bauchweh, Kopfschmerzen).

Diagnostik – Wie wird Mutismus festgestellt?

  1. Anamnese – Gespräche mit Eltern über Entwicklung & Verhalten.

  2. Beobachtung – Verhalten in verschiedenen sozialen Kontexten.

  3. Fragebögen – Erfassung von Angst und sozialem Verhalten.

  4. Abklärung – Ausschluss von Sprach- oder Hörstörungen.

  5. Zusammenarbeit von Logopädie, Psychologie, Psychiatrie, Pädagogik.

Therapie & Förderung – So hilft man bei Mutismus

  • Verhaltenstherapie: schrittweise Angstabbau, Sprechsituationen üben.

  • Logopädie: spielerisch Sprache in Alltagssituationen anbahnen.

  • Elternarbeit: Umgang mit Schweigen, Förderung zu Hause.

  • Schulische Unterstützung: Nachteilsausgleich, Verständnis im Unterricht.

  • Therapie ist multimodal – braucht Zeit, Geduld und Kooperation aller Beteiligten.

Dauer: oft mehrere Monate bis Jahre – Fortschritte geschehen langsam, aber stetig.

Rolle der Eltern – Unterstützung im Alltag

Eltern können helfen, indem sie:

  • Druck vermeiden („Sag doch mal hallo!“).

  • Mut machen und kleine Schritte loben.

  • Geduldig bleiben – Schweigen nicht bestrafen.

  • Rituale schaffen: feste, entspannte Sprechanlässe.

  • Mit Therapeut:innen und Schule eng zusammenarbeiten.

  • Kind in Stärken fördern (Sport, Musik, kreative Bereiche).

Gut zu wissen

  • Mutismus ist keine Trotzreaktion, sondern Ausdruck tiefer Angst.

  • Je früher die Förderung beginnt, desto besser die Chancen.

  • In der Schule gibt es Möglichkeiten zum Nachteilsausgleich.

  • Eingliederungshilfe (§35a SGB VIII) kann Unterstützung ermöglichen.

  • Mit rechtzeitiger Therapie entwickeln viele Kinder wieder Freude am Sprechen und bauen Ängste ab.

Fazit: Mutismus ist behandelbar. Entscheidend sind Geduld, Verständnis, frühe Förderung und die enge Zusammenarbeit von Eltern, Therapeut:innen und Schule.

 

Myofunktionelle Störungen: was bedeutet das eigentlich?

Eine myofunktionelle Störung betrifft die Muskelkraft und -beweglichkeit im Mund- und Gesichtsbereich. Kinder oder Erwachsene mit einer solchen Störung haben Schwierigkeiten, die grundlegenden Bewegungen des Mundes – also Saugen, Kauen, Beißen, Schlucken, Atmen – in einer harmonischen Balance auszuführen. Dadurch können sich sekundär Probleme beim Sprechen oder der Zahn- und Kieferentwicklung zeigen.

Ursachen

Die Ursachen können sehr vielfältig sein. Häufig spielen frühe Erfahrungen mit Nahrung und Saugen eine Rolle:

  • eine verkürzte oder ausgebliebene Stillzeit

  • zu große Flaschenaufsätze oder eine ungeeignete Lochgröße

  • zu frühe Umstellung auf feste Nahrung, während sich der Kehlkopf noch entwickelt

  • ungeeignete Konsistenzen in der Breikostphase (z. B. zu viele Konsistenzen gleichzeitig, bevor das Kind reif dafür ist)

All diese Faktoren können dazu führen, dass sich die Mundmuskulatur nicht optimal entwickelt.

Symptome

Die Symptome zeigen sich in vielen kleinen Alltagsdingen. Häufig beobachten Eltern:

  • Artikulationsschwierigkeiten, z.B. Lispeln

  • Zunge stößt beim Schlucken gegen die Zähne

  • auffälliges Essverhalten: sehr schnelles oder sehr langsames Essen, „picky eating“ (nur sehr weiche oder sehr harte Kost wird akzeptiert)

  • vorverlagerter Würgreflex

  • offener Mund oder fehlender Mundschluss

  • die Zunge findet keine stabile Ruhelage, liegt schlaff am Mundboden und an/zwischen den Zähnen

  • vermehrte Infekte durch die ständige Mundatmung

  • orale Angewohnheiten wie Daumenlutschen, Nägelkauen oder Lippenbeißen

Manche Kinder zeigen außerdem ein starkes Bedürfnis nach Reizen im Mund, weil ihre Wahrnehmung im Mundraum nicht ausreichend differenziert ist oder empfinden selbst sehr feine Reize als zu stark und dadurch unangenehm.

 

Wie wird die Diagnose gestellt?

 

Die Diagnostik erfolgt in unserer Praxis durch eine ausführliche Anamnese, Beobachtung und gezielte Tests der Mundmotorik, Wahrnehmung und Schluckfunktion. Dabei beziehen wir auch die Essgewohnheiten, das Atemmuster und mögliche kieferorthopädische Aspekte mit ein.

Wie läuft die Therapie ab?

Es gibt verschiedene Ansätze, um eine myofunktionelle Störung wirksam zu behandeln. Manchmal stehen Beweglichkeits- und Kraftübungen für Lippen, Zunge und Wangen im Vordergrund, manchmal das Schlucken oder die Zungenruhelage. Gerade in diesem Bereich ist regelmäßiges Üben entscheidend.

Unser Team hat sich umfangreich in unterschiedlichen Konzepten weitergebildet, sodass wir nicht nur eine Methode anwenden, sondern für jedes Kind die passende Kombination wählen können.

Myofunktionelle Störungen sind oft mit Lautbildungsproblemen verbunden, z.B. dem Lispeln. Hierbei drückt die Zunge bei den Lauten „s“ und „ß“ entweder gegen die Zähne oder stößt sogar zwischen die Zähne. Ebenso kann ein lateraler Schetismus/Sigmatismus auftreten, bei dem Zischlaute wie „sch“ oder „s/ß“ seitlich an der Zunge vorbeiströmen und dadurch verwaschen klingen. In der Therapie kombinieren wir Wahrnehmungsübungen, Mundmotorik und Lauttraining, sodass das Kind Schritt für Schritt die richtige Zungenlage und einen klaren Laut findet.

Welche Rolle haben die Eltern?

Eltern spielen eine zentrale Rolle für den Erfolg der Therapie. Sie begleiten ihr Kind beim Üben, achten im Alltag auf eine gute Mundhaltung und geben wichtige Rückmeldungen. Da es sich oft um Muskeltraining handelt, ist regelmäßiges Üben entscheidend, ähnlich wie im Fitnessstudio. Die gute Nachricht: Mit Motivation, Spaß und positiver Unterstützung lassen sich myofunktionelle Störungen sehr gut behandeln, sodass Kinder die notwendigen Bewegungen dauerhaft neu lernen können.

Fazit

Eine myofunktionelle Störung ist keine Seltenheit und lässt sich mit gezielter Therapie sehr gut behandeln. Viele Wege führen zu einem stabileren Schluckmuster, einer gesunden Mundfunktion und damit auch zu einer deutlichen Erleichterung beim Atmen, Essen und Sprechen.

Stimmtransition für trans*, inter*, queere und non-binäre Menschen

Unsere Stimme prägt maßgeblich, wie wir im Alltag, im Beruf sowie in Begegnungen mit Fremden und vertrauten Menschen wahrgenommen werden. Sie ist Ausdruck von Emotionen und Identität und somit ein wichtiger Teil des Passings. Für viele trans*, inter*, queere und nicht-binäre Menschen entsteht hier ein Spannungsfeld: der Klang der Stimme passt noch nicht zur Identität. Dies kann belastend sein und führt oft zu Verunsicherung oder zu einem Gefühl, nicht authentisch wirken zu können.

Schwierigkeiten beim selbstständigen Ausprobieren

Viele versuchen zunächst selbst, ihre Stimme zu verändern, etwa durch Online-Tutorials oder das Nachahmen von Vorbildern. Häufig bleibt das gewünschte Ergebnis jedoch aus: die Stimme klingt nicht so, wie erhofft. Manchmal ist der Klang zufriedenstellend, die Stimme aber nicht tragfähig, flexibel oder belastbar. Manche erleben Heiserkeit, Anstrengung oder Schmerzen beim Sprechen. Das kann frustrierend sein und verstärkt den Leidensdruck zusätzlich.

Operative Eingriffe: Chancen und Grenzen

Die gängigen phonochirurgischen Eingriffe verändern den Anteil oder die Spannung der schwingenden Stimmlippenmasse mit dem Ziel, die Stimme dauerhaft höher klingen zu lassen. Die Tonhöhe ist jedoch nur ein Bereich von vielen, die einen Stimmklang als maskulin, feminin oder non-binär erscheinen lassen.

Unser Stimmklang wird vor allem durch Resonanzräume und muskuläre Steuerung geprägt. Operationen können diese nicht beeinflussen.

Hinzu kommt, dass das „Muskelgedächtnis“ nach einer OP nicht einfach mitwechselt. Viele Betroffene müssen erst neu lernen, wie sie ihre Stimme einsetzen können, sonst drohen Fehlbelastungen, Heiserkeit oder dauerhafte Schäden. Eine Operation kann also ein Baustein sein, ersetzt aber nicht die professionelle stimmtherapeutische Begleitung.

Logopädie: der sichere Weg zur Zielstimme

Logopäd*innen sind staatlich anerkannte Stimmtherapeut*innen und damit die Fachpersonen für die Stimme. Sie kennen die Anatomie und Physiologie genau und begleiten Menschen mit Stimmproblemen oder -veränderungen. In der Stimmtransition unterstützen sie dabei, die Stimme gesund, nachhaltig und gezielt an die eigene Identität anzugleichen.

Dabei geht es nicht nur um die technische Seite: Viele erleben beim Stimmtraining auch Erleichterung, wenn sie merken, dass Veränderung möglich ist und sie dabei nicht allein sind. Die therapeutische Begleitung bietet Raum, Sorgen auszusprechen, Unsicherheiten anzusprechen und Schritt für Schritt Sicherheit in der neuen Stimme zu entwickeln.

Der Weg zur Zielstimme

Die anatomischen Strukturen können durch die Logopädie nicht verändert, in der Art und Weise ihrer Nutzung jedoch an das gelebte Geschlecht angeglichen werden.

In praktischen Übungen lernen die Hilfesuchenden, bestimmte Parameter des Stimmklangs isoliert und flexibel steuern zu können. Sobald dies sicher gelingt, werden die Parameter kombiniert und die richtige Mischung gesucht, um einen authentischen und individuell zufriedenstellenden Stimmklang zu finden.

Bei korrekter Anwendung des Erlernten ist die Stimme tragfähig, belastbar und modulationsfähig. Außerdem werden funktionelle oder organische Schäden auf lange Sicht vermieden.

Ziel ist nicht eine „Schublade“, sondern eine Stimme, die wirklich zu Ihnen passt und mit der Sie sich wohlfühlen.

Das Tempo bestimmen Sie. Manche Veränderungen gehen schnell, andere brauchen mehr Zeit und Übung. Wichtig ist: Sie haben die Kontrolle, wir geben das Fachwissen, die Übungen und die Sicherheit dazu.

Rahmenbedingungen und logopädische Heilmittelverordnung

Eine Stimmtransition kann von allen Ärzt*innen verordnet und von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Ab dem 18. Lebensjahr ist i.d.R. eine Zuzahlung pflichtig.

Die Verordnung erfolgt in Deutschland aktuell noch über die ICD-10, auch wenn international die ICD-11 bereits eine inklusivere Sprache („Geschlechtsinkongruenz“ statt „Transsexualismus“) nutzt. Daher müssen wir uns vorübergehend wie folgt behelfen, um Probleme bei der Abrechnung mit den Krankenkassen zu vermeiden:

  • ICD-10-Code: R49.0 – Dysphonie (Stimmstörung)

Der ICD-10-Code „F64.0 – Transsexualismus“ kann ergänzend genutzt werden, reicht alleine aber nicht aus, da es sich dabei nach der ICD-10 genaugenommen um keine logopädische Diagnose handelt.

  • Indikationsschlüssel: ST2 (funktionell bedingte Erkrankungen der Stimme)
    Der Schlüssel „SF“ ist nur eingeschränkt nutzbar, da dieser genaugenommen „Rhinophonie“ (Näseln) bedeutet.

  • patientenindividuelle Leitsymptomatik mit stimmlichem Bezug,
    z.B.:
    „Feminisierung / Maskulinisierung / Angleichung des Stimmklangs zur Verringerung des Leidensdrucks bei Genderdysphorie / Geschlechtsinkongruenz.“
    „Transsexualismus“ alleine reicht nicht aus, da es sich auch hier, zumindest nach ICD-10, nicht direkt um eine logopädische Diagnose.

  • Dauer: 45 Minuten

Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) – Einfach erklärt

Was ist eine LRS?

LRS ist eine umschriebene Entwicklungsstörung beim Lesen und/oder Schreiben. Sie betrifft Kinder mit normaler oder sogar hoher Intelligenz (IQ über 85), zeigt sich aber durch deutlich unterdurchschnittliche Leistungen in der Schriftsprache.

Begriff & Definition

  • LRS (Lese-Rechtschreib-Störung) bezeichnet anhaltende Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben – trotz normaler oder überdurchschnittlicher Intelligenz.

  • Früher sagte man Legasthenie, heute spricht man von Lese-Rechtschreib-Störung (WHO) oder Dyslexie.

  • LRS ist eine Teilleistungsstörung, die nicht durch mangelnde Motivation oder Intelligenz entsteht.

  • Sie zeigt sich bereits früh und kann lange andauern, lässt sich aber durch gezielte Förderung kompensieren.

  • Eine Diagnose erfolgt meist durch Schulpsycholog:innen oder Kinder- und Jugendpsychiater:innen.

Unterschiede: Lese-Rechtschreibstörung vs. Lese-Rechtschreibschwäche

Lese-Rechtschreibstörung (LRS)

Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)

Angeborene oder frühkindlich entwickelte Störung

Meist durch äußere Umstände bedingt

Hält langfristig an

Oft vorübergehend

Deutliche Diskrepanz zwischen Intelligenz und Lese-/Schreibleistung

Deutliche Diskrepanz zwischen Intelligenz und Lese-/Schreibleistung

Allgemeine Schwächen, meist besser therapierbar

Einzeltherapie notwendig

Fördergruppen teilweise ausreichend

Einzeltherapie je nach Ausprägung zu empfehlen

Sehr gezielte Förderung nötig

Gute Verbesserungsmöglichkeiten bei passender Hilfe

Legasthenie und Dyslexie sind weitere gleich verwendete Begriffe

 

Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) – Verstehen, Unterstützen, Fördern

Ursachen – Woher kommt LRS?

Innere Faktoren:

  • Genetische Veranlagung: Häufung in Familien, besonders bei Eltern mit eigener LRS (Vererbungsrisiko bis zu 70%)

  • Neurologische Besonderheiten: Verarbeitung von Lauten und Schrift ist im Gehirn anders verknüpft

  • Sprachentwicklung: Probleme mit Wortschatz, Grammatik, Sprachverständnis erhöhen das Risiko

  • Kognitive Faktoren: Schlechte phonologische Bewusstheit, eingeschränktes Arbeitsgedächtnis

  • Melodisch-rhythmische Fähigkeiten: Wichtig zum Erkennen von Silben, Satzrhythmus, Wortlängen

  • Sinneswahrnehmung:

    • Auditiv: Schwierigkeiten beim Heraushören von Lauten oder beim Zuhören in lauter Umgebung

    • Visuell: Probleme beim Wiedererkennen von Buchstaben oder Buchstabenreihenfolgen

    • Taktil-kinästhetisch: Unsaubere Schrift, Probleme mit Stifthaltung oder Lautbildung

Äußere Faktoren:

  • Wenig sprachliche Anregung (z.B. seltenes Vorlesen, wenig Gespräche)

  • Schulische Belastungen (z.B. Lehrerwechsel, Sitzplatz, Schulmethoden, Leistungsdruck)

  • Seelische Belastungen (z.B. Familienkonflikte [Trennung], Stress, Krankheit, Leistungsdruck)

  • Negative Rückmeldungen im Schulalltag → Frust, Vermeidung, Ängste

  • Fehlender individueller Förderzugang

  • Reaktionen der Umwelt: Kritik, Beschämung, Druck

Wichtig: Auch psychische Folgen wie Ängste (24%) oder depressive Verstimmungen (14%) können LRS verstärken.

Welche Vorläuferfähigkeiten braucht ein Kind?

Eine gesunde Schriftsprachentwicklung braucht:

Auditive Verarbeitung:

  • Laute heraushören (z.B. /t/ in Tomate)

  • Ähnliche Laute unterscheiden

  • Wichtige Reize erkennen (z.B. Lehrerstimme im Klassentrubel)

Visuelle Wahrnehmung:

  • Buchstaben erkennen – unabhängig von Größe oder Lage

  • Reihenfolgen speichern

  • Buchstaben im Text „herausfiltern“

  • Koordination von Auge & Hand beim Schreiben

Taktil-kinästhetische Wahrnehmung:

  • Unterschiede in der Lautbildung spüren

  • Buchstabenformen unterscheiden (z.B. b/d)

  • Sichere Stifthaltung und Bewegungssteuerung

Phonologische Bewusstheit:

  • Reime bilden, Silben klatschen

  • Anfangs-/Endlaute erkennen

  • Laute in Wörtern hören, trennen, tauschen

Kinder mit guter phonologischer Bewusstheit lernen nachweislich schneller und sicherer lesen & schreiben!

Diese Fähigkeiten können gezielt gefördert werden – je früher, desto besser!

Symptome – Woran erkenne ich eine LRS?

Beim Lesen:

  • Sehr langsames oder buchstabenweises, stockendes Lesen

  • Wörter werden ausgelassen, vertauscht, ersetzt oder falsch gelesen

  • Gelesenes wird nicht verstanden oder richtig wiedergegeben

Beim Schreiben:

  • Wörter werden „nach Gehör“ geschrieben („fals“ statt „Fass“)

  • Viele Rechtschreibfehler, auch bei geübten Wörtern

  • Probleme mit Zeichensetzung, Groß-/Kleinschreibung

  • Unregelmäßige oder krakelige Handschrift

Weitere Hinweise:

  • Kind zieht sich zurück, verliert Selbstvertrauen

  • Frust bei Hausaufgaben oder Diktaten

  • Bauchweh oder Schulunlust ohne körperliche Ursache

  • Vermeidung von Lese-/Schreibaufgaben

📚 Symptome – Woran erkennt man eine LRS?

Beim Schreiben:

  • Wörter so geschrieben, wie sie gesprochen werden (z.B. fals statt Fass)

  • Viele Fehler, auch bei bekannten und geübten Wörtern

  • Schwierigkeiten mit Groß-/Kleinschreibung, Zeichensetzung

Diagnostik – Wie wird LRS festgestellt?

Eine sorgfältige Diagnostik besteht aus:

  1. Anamnese – Gespräch mit Eltern zu Entwicklung & Schulerfahrungen

  2. Standardisierte Tests – z.B. Lesetempo, Rechtschreibkompetenz, phonologische Fähigkeiten

  3. Sprachbeobachtung – z.B. Lautdifferenzierung, Reimerkennung

  4. Austausch mit Lehrkräften, Psycholog:innen oder Ärzt:innen

Die Therapie ist individuell, spielerisch, ermutigend – und baut auf den Stärken des Kindes auf.

Therapie & Förderung – So hilft man Kindern mit LRS

In der professionellen Therapie:

  • Training der Laut-Buchstaben-Zuordnung

  • Förderung der phonologischen Bewusstheit

  • Verbesserung von Lesefluss & Textverständnis

  • Strukturierte Rechtschreibstrategien

  • Aufbau von Gedächtnisleistungen für Sprache

  • Individuell angepasst, spielerisch & motivierend

  • Training des Arbeits- und Kurzzeitgedächtnisses

❗ LRS-Therapie ist keine reguläre Kassenleistung – es sei denn, sie ist Folge einer Sprachstörung.

Eine Legasthenie-Therapie ist keine Kassenleistung von Logopäden und deshalb auch im Heilmittelkatalog nicht aufgeführt. Jedoch kann eine Lese-Rechtschreibstörung eine Spätfolge einer Sprachentwicklungsstörung oder einer Aussprachestörung (phonetisch-phonologische Störung) sein. Ebenfalls kann sie im Rahmen einer auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung (AVWS) auftreten. In solchen Fällen ist es möglich eine logopädische Therapie von Ihrem Arzt verordnet zu bekommen.

Rolle der Eltern – Unterstützung im Alltag

Eltern helfen am besten, wenn sie:

  • Geduldig sind und positiv verstärken

  • Kleine Fortschritte loben

  • Zuhause regelmäßig, aber stressfrei üben

  • Mit der Schule & Therapeut:innen gut zusammenarbeiten

  • Beim Antrag auf Nachteilsausgleich oder Förderhilfe helfen

Dauer der Förderung

  • Eine LRS-Therapie dauert meist mehrere Monate – manchmal länger.

  • Wichtig ist: Jeder kleine Fortschritt zählt.

  • Schon ein erstes gelesenes Wort kann ein großer Erfolg sein!

So können Eltern ihr Kind aktiv unterstützen

1. Lesen – jeden Tag, gemeinsam!

  • Tägliches, kurzes Lesen fest einplanen

    • 10–15 Minuten reichen – lieber regelmäßig als lang

  • Laut lesen, gemeinsam lesen, vorlesen lassen

  • Abwechselnd lesen: mal das Kind, mal die Eltern

  • Fehler ruhig und geduldig verbessern – nie schimpfen!

  • Bücher wählen, die Spaß machen (Comics, Lieblingsfiguren, Witze)

2. Schreiben – mit Freude, nicht mit Druck

  • Einkaufsliste, Geburtstagskarten, Briefe an Oma oder Fantasiegeschichten gemeinsam schreiben

  • Spielerisches Schreiben (z.B. mit Magnetbuchstaben, am Tablet, Buchstaben in der Luft oder im Sand malen)

  • Rechtschreibregeln langsam und schrittweise üben – erst Lautieren, dann Schreiben

. Laute & Sprachrhythmus trainieren

  • Reime suchen, Silben klatschen, Anlaute erraten

  • Mit der Stimme spielen (laut/leise, schnell/langsam)

  • Hörspiele & danach Rückfragen stellen

3. Hören schulen

  • Reime raten, Silben klatschen, Anfangslaute erkennen („Mit welchem Laut beginnt…?“)

  • Hörspiele hören und danach Fragen stellen („Was ist passiert?“)

  • Sprachrhythmen betonen (z.B. gemeinsam Gedichte sprechen, klatschen)

4. Viel reden und erklären

  • Kind aktiv in Gespräche einbinden

  • Dinge beschreiben lassen („Was siehst du auf dem Bild?“)

  • Sprachspiele im Alltag nutzen (z.B. Ich sehe was, was du nicht siehst)

5. Motivation und Selbstwert stärken

  • Loben Sie jeden Fortschritt, auch wenn er klein ist

  • Vermeiden Sie Vergleiche mit anderen Kindern

  • Zeigen Sie Verständnis, wenn es mal „nicht geht“

  • Zeige: „Ich glaube an dich.“

  • Erinnern Sie Ihr Kind an seine Stärken – auch außerhalb der Schule!

  • Kein Druck: Vermeidung ist ein Schutz, kein Trotz

Organisation im Schulalltag

  • Gespräche mit Lehrkraft über Nachteilsausgleich führen

  • Hausaufgaben dosieren: lieber kurz, aber konzentriert

  • Möglichst feste Lernrituale schaffen

Wichtig: Aktive Elternarbeit macht den größten Unterschied

Die tägliche Unterstützung zuhause ist unverzichtbar. Hier bist du als Elternteil besonders wichtig! 💪

Wie lange dauert eine Therapie?

  • Eine LRS-Förderung ist meist langfristig – viele Monate oder auch Jahre

  • Fortschritte kommen oft langsam, aber stetig

  • Mit Geduld, Unterstützung und positiver Begleitung können Kinder ihre Fähigkeiten deutlich verbessern

  • Aber: Dran bleiben lohnt sich!

  • Kinder gewinnen an Selbstvertrauen und entwickeln neue Lernfreude

Gut zu wissen

  • Eine LRS kann auch Folge einer Sprachentwicklungsstörung sein

  • Die logopädische Therapie ist keine Kassenleistung bei LRS, es sei denn, es liegt zusätzlich eine Sprachstörung vor

  • Bei Bedarf kann das Jugendamt über Eingliederungshilfe (§35a SGB VIII) unterstützen

  • In der Schule gibt es oft Nachteilsausgleich (z.B. mehr Zeit, keine Benotung der Rechtschreibung) sprechen Sie mit der Lehrkraft!

Fazit

Kinder mit LRS sind wertvoll, talentiert und voller Potenzial. Sie brauchen jedoch Verständnis, Zeit und vor allem Ihre aktive Unterstützung. Die Arbeit zuhause ist keine Zusatzaufgabe – sie ist ein entscheidender Erfolgsfaktor.

„Ein Kind, das sich verstanden und begleitet fühlt, kann über sich hinauswachsen.“

Mit Ihrer Hilfe lernt Ihr Kind nicht nur Lesen und Schreiben – sondern auch, an sich selbst zu glauben.

Kinder mit LRS sind nicht weniger klug, sondern brauchen andere Wege des Lernens. Mit Geduld, gezielter Unterstützung und dem Glauben an ihre Fähigkeiten können sie sicher lesen und schreiben lernen – und dabei stolz auf sich selbst werden.

Was dein Kind wirklich braucht:

Kinder mit LRS brauchen keine „besseren Noten“ –
sie brauchen Menschen, die an sie glauben,
ihren Frust verstehen
und ihnen zeigen:
„Du bist genau richtig, so wie du bist – und wir gehen diesen Weg gemeinsam!“

Woran erkenne ich eine AVS?

Im Alltag:

  • Das Kind wirkt oft, als würde es nicht zuhören

  • Hält sich die Ohren zu oder verlässt laute Räume

  • Reagiert verzögert oder gar nicht auf Sprache

Beim Sprechen:

  • Spricht undeutlich oder „nuschelt“

  • Verwechselt ähnliche Laute (z.B. b/p oder d/t)

  • Hat einen kleinen Wortschatz oder spricht in kurzen, einfachen Sätzen

In der Schule:

  • Versteht Aufgaben oder Erklärungen nicht richtig

  • Muss oft nachfragen oder „schaltet ab“

  • Hat Probleme bei Diktaten, beim Lesen oder beim Gedichtlernen

  • Spricht ohne Betonung (monoton)

Begriff & Hintergrund

  • AVS ist eine Störung in der zentralen Hörverarbeitung im Gehirn

  • Sie betrifft das Erkennen, Unterscheiden oder Lokalisieren von Geräuschen

  • Sie ist nicht sichtbar und wird oft mit Unaufmerksamkeit verwechselt

  • AVS ist messbar, z.B. durch spezielle Hörtests bei Pädaudiolog:innen

  • Sie tritt oft gemeinsam mit Sprachstörungen, Lese-Rechtschreib-Schwäche oder AD(H)S auf

Ursachen – Woher kommt eine AVS?

Medizinische Gründe:

  • Frühgeburt → das Hörsystem im Gehirn ist noch nicht vollständig entwickelt

  • Viele Mittelohrentzündungen → erschwerte Hörverarbeitung

  • Ständiger Schnupfen → schlechte Belüftung der Ohren → schlechteres Hören → schlechtere Verarbeitung

Umweltfaktoren:

  • Zu viel Lärm (z.B. dauerhafte Geräuschkulisse durch TV, Tablets, Verkehr)

  • Wenig sprachliche Anregung (z.B. kaum Vorlesen, wenig Gespräche)

  • AVS kann auch vererbt sein

Was ist „phonologische Bewusstheit“?

Das ist die Fähigkeit, mit Sprache zu spielen und sie bewusst wahrzunehmen – z.B.:

  • Reime hören („Haus – Maus“)

  • Silben klatschen („Schme–tter–ling“)

  • Anfangs- oder Endlaute erkennen („Was hörst du zuerst in Baum?“)

Diese Fähigkeit ist ganz entscheidend fürs Lesen- und Schreibenlernen – und hängt eng mit AVS zusammen.

Welche Fähigkeiten braucht ein Kind fürs Lesen und Schreiben?

Hier sind die wichtigsten „Bausteine“, die ein Kind braucht – und wie man sie fördern kann:

Fähigkeit

Was sie bedeutet

Wie man sie fördern kann

Sprache verstehen

Kind versteht Erklärungen oder Fragen

Klare, kurze Sätze. Mit dem Kind nachfragen: „Was hast du verstanden?“

Sich Wörter merken

Gehörte Wörter oder Sätze bleiben im Kopf

Merkspiele, kurze Sätze wiederholen lassen

Laute unterscheiden

Hört den Unterschied zwischen z.B. „b“ und „p“

Reimspiele, Anlauthören, Silben klatschen

Schnelles Benennen (RAN)

Sagt Farben, Bilder oder Zahlen schnell und sicher

Bildkarten mit Zeit messen, blitzschnelles Benennen

Sprachspiele und Reime

Spielt mit Sprache und erkennt Muster (z.B. Reime)

Reimen, Silben klatschen, Sätze verlängern

Logisches Denken & Regeln

Erkennt Sprachregeln oder Muster (z.B. „gehen“, „spielen“ → Verben)

Wortarten-Spiel, Kategorien raten

Zuhören & Konzentration

Bleibt beim Hören bei der Sache

Kurze, spannende Hörgeschichten, Fragen dazu stellen

Was hilft Kindern beim Lesen & Schreiben lernen?

Damit ein Kind gut lesen und schreiben lernen kann, braucht es mehr als gute Ohren.
Es kommt auf viele verschiedene Fähigkeiten an, die sich meist schon vor der Schule zeigen.
Hier sind die 7 wichtigsten Voraussetzungen – einfach erklärt und mit Beispielen:

1. Allgemeines Denken

Was ist das?
Das Kind erkennt Regeln, denkt logisch und kann sich Dinge gut merken.

Warum ist das wichtig?
Damit ein Kind Zusammenhänge in Sprache versteht, Sätze bildet und Regeln erkennt (z.B. bei der Grammatik).

Beispiel:
„Alle Wörter, die auf –en enden, sind Tätigkeiten: spielen, rennen, lesen.“

2. Sprache zu Hause

Was ist das?
Wie viel zu Hause gesprochen, erklärt und vorgelesen wird.

Warum ist das wichtig?
Kinder lernen Sprache durch Hören. Viel sprachlicher Kontakt zu Hause fördert den Wortschatz und das Sprachgefühl.

Beispiel:
Tägliches Vorlesen hilft, neue Wörter zu lernen und macht Sprache vertraut.

3. Sprachverständnis

Was ist das?
Ob das Kind versteht, was andere sagen – auch bei längeren oder mehreren Anweisungen.

Warum ist das wichtig?
Nur wer versteht, was gesagt wurde, kann richtig antworten oder handeln – und Aufgaben korrekt umsetzen.

Beispiel:
„Hol den Ball und leg ihn auf den Tisch.“

4. Wörter & Sätze merken

Was ist das?
Das Kind kann sich kurzzeitig merken, was es gehört hat – also z.B. Wörter oder Satzteile.

Warum ist das wichtig?
Um Anweisungen umzusetzen, Geschichten zu verstehen oder Wörter richtig zu schreiben.

Beispiel:
Das Kind hört: „Tebo – Fati – Kula“ – und wiederholt die Reihenfolge korrekt.

5. Schnelles Benennen (RAN)

Was ist das?
Das Kind benennt Dinge (z.B. Farben, Bilder, Zahlen) schnell und sicher.

Warum ist das wichtig?
Das ist der beste Hinweis auf spätere Lesefähigkeit!
Je flüssiger ein Kind benennen kann, desto leichter fällt ihm später das Lesen.

Beispiel:
„Sonne – Auto – Herz – Herz – Sonne“ → schnell und korrekt benennen.

6. Laute unterscheiden

Was ist das?
Das Kind erkennt den Unterschied zwischen ähnlich klingenden Lauten.

Warum ist das wichtig?
Besonders wichtig für das Schreiben!
Wer den Unterschied zwischen Lauten nicht hört, macht beim Schreiben häufiger Fehler.

Beispiel:
Hört den Unterschied zwischen „Tanne“ und „Kanne“.

7. Kurzzeitgedächtnis

Was ist das?
Das Kind merkt sich kurze Sätze oder Wörter für einen Moment und kann sie sofort wiederholen.

Warum ist das wichtig?
Hilft beim Verstehen und Nachsprechen. Auch beim Satzbau und beim Lernen von Regeln ist diese Fähigkeit hilfreich.
Sie ist zwar nicht die wichtigste, aber gut trainierbar.

Beispiel:
Das Kind hört: „Der Hund springt aufs Sofa.“ → und sagt es direkt richtig nach.

Merksatz für Eltern

Lesen und Schreiben beginnt nicht mit Buchstaben –
sondern mit gutem Zuhören, Denken und Verstehen.

Wie wird AVS festgestellt?

Ein gutes Zusammenspiel verschiedener Fachleute hilft:

  • HNO / Pädaudiolog:innen → machen spezielle Hörtests

  • Logopäd:innen → prüfen Sprachverständnis & Lautwahrnehmung

  • Psycholog:innen → schauen, wie das Kind lernt

  • Ergotherapeut:innen → beobachten Aufmerksamkeit und Wahrnehmung

  • Kinderärzt:innen oder Schulpsycholog:innen → begleiten die Diagnostik

Wie kann man helfen?

In der Therapie:

  • Sprache hören & unterscheiden lernen

  • Reimen, Silben klatschen, Laute erkennen

  • Wörter zusammensetzen & zerlegen

  • Hörtraining & Konzentration stärken

Zuhause:

  • Ruhige Lernumgebung schaffen

  • Kurz & deutlich sprechen

  • Regelmäßig zuhören üben (z.B. mit Hörspielen)

  • Spiele mit Reimen, Silben & Anlauten

  • Geduld zeigen & loben

Bei Bedarf: Nachteilsausgleich in der Schule beantragen

Was können Eltern tun?

 Geduldig sein
Fehler nicht übel nehmen
Viel loben – auch kleine Fortschritte
Gemeinsam lesen, erzählen, zuhören
Schule & Therapeut:innen mit ins Boot holen
Fördermöglichkeiten frühzeitig klären

Fazit

Kinder mit AVS sind nicht unaufmerksam – sie verarbeiten Sprache anders.
Sie brauchen Verständnis, Geduld, liebevolle Unterstützung und gezielte Hilfe.

Mit dem richtigen Umfeld können sie:

 Sprache besser verstehen
sicherer sprechen
erfolgreich lesen & schreiben lernen

 „Was ein Kind hört, ist nicht immer das, was gesagt wurde – aber mit Hilfe kann es lernen, den Klang der Sprache zu verstehen.“

Gemeinsamkeiten:

  • Beide Störungen betreffen die Sprache – nur auf unterschiedlichen Ebenen.

  • Kinder sind oft intelligent und motiviert, wirken aber im Lernalltag überfordert.

  • Beides kann zu Unsicherheiten, Schulfrust und Selbstzweifeln führen.

  • Beide lassen sich durch gezielte Förderung und Geduld deutlich verbessern.

  • Eltern spielen eine entscheidende Rolle – durch Verständnis, Zuhören und Unterstützung.

Fazit

AVS betrifft das Hören im Kopf.
LRS betrifft das Lesen und Schreiben.

Aber beides ist nicht die Schuld des Kindes – und beides ist gut behandelbar, wenn man früh hilft.
Was Kinder brauchen, sind Geduld, gezielte Unterstützung und Menschen, die an sie glauben.

Nicht jedes Kind braucht das gleiche – aber jedes Kind braucht jemanden, der sieht, was es braucht.“

Was sind Late Talker?

Als Late Talker (= „späte Sprecher“) bezeichnet man Kinder, die:

  • mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter sprechen

  • noch keine Zwei-Wort-Kombinationen bilden (z.B. „Papa Ball!“ oder „Mama essen“)

  • und/oder deutliche Schwierigkeiten im Sprachverständnis zeigen

Ihre allgemeine Entwicklung ist meist unauffällig. Etwa ein Drittel bis die Hälfte dieser Kinder holt die Verzögerung bis zum 3. Geburtstag selbstständig auf (sogenannte „Late Bloomer“ = „späte Blüher“). Bei den übrigen Kindern besteht jedoch das Risiko einer längerfristigen Sprachentwicklungsstörung.

Kann mein Kind den Entwicklungsrückstand alleine aufholen?

Untersuchungen zeigen, dass es bei Late Talkern eindeutige Risikofaktoren für eine spezifische Sprachentwicklungsstörung (SSES) gibt: 

Ganz besonders hervorzuheben ist hierbei das Sprachverständnis des Kindes. Kinder, die das, was man ihnen mitteilt nur schlecht verstehen, sind massiv gefährdet. Kinder, die kaum Blickkontakt aufnehmen oder nicht kreativ spielen können, mit anderen Kindern nicht in Kontakt treten oder andere Kinder aufgrund fehlender Mitteilungsmöglichkeiten vermehrt hauen/beißen, sollten ebenfalls schon im Alter von 2 Jahren einer Logopädin vorgestellt werden.

Bei Late Talkern mit gutem Sprachverständnis reicht möglicherweise eine intensive Elternanleitung zu sprachförderlichem Verhalten aus. All die anderen brauchen jedoch eine frühe, direkt am Kind ansetzende Sprachtherapie.

Bereits im Rahmen der U7 beim Kinderarzt (21.–24. Monat) können erste Auffälligkeiten festgestellt werden.

Symbolspiel und der Sinn von Sprache

Sprache ist nicht nur das Aneinanderreihen von Lauten. Sie hat einen Sinn: Sie steht für etwas.

Das sogenannte Symbolspiel („so-tun-als-ob“-Spiele) ist eine wichtige Brücke, um diesen Sinn zu entdecken. Wenn Kinder zum Beispiel so tun, als würden sie eine Puppe füttern oder mit einem Stein telefonieren, zeigen sie, dass sie verstanden haben: Ein Gegenstand kann für etwas anderes stehen, so wie ein Wort für eine Sache oder Handlung steht.

Auch die händischen Kompetenzen wie Greifen, Stapeln, Sortieren oder Bauen spielen eine große Rolle. Sie fördern die Vorstellungskraft, die Nachahmung und die Fähigkeit, Bedeutungen zu erkennen. All dies wirkt sich direkt auf die non-verbale Kommunikation (Blickkontakt, Gestik, Mimik) und die gesprochene Sprache aus. Diese Verbindung kann gezielt genutzt werden, um Kindern zu helfen, den eigentlichen Sinn von Sprache begreifen.

Ursachen

Die Ursachen für das späte Sprechen sind vielfältig. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen, zum Beispiel:

  • genetische Veranlagung/familiäre Sprachauffälligkeiten

  • Frühgeburten

  • postnatale Depressionen der Kindesmutter

  • Schreibabys

  • Fluchterfahrungen

  • Traumata

  • wenig Interaktion im Alltag, belastete Familiensituation

  • selten auch organische Ursachen wie Hörstörungen

Typische Symptome von Late Talkern

Allgemeine Entwicklung:

  • meist unauffällig in Grobmotorik, Wahrnehmung und Intelligenz

Sprachliche Entwicklung:

  • weniger als 50 Wörter mit 24 Monaten

  • keine Zwei-Wort-Kombinationen

  • eingeschränktes Sprachverständnis

Spielverhalten

  • es fehlt das Symbolspiel. Stattdessen beschäftigen sich die Kinder eher funktional/mechanisch oder wiederholt mit Gegenständen, ohne Fantasiespiele zu entwickeln

  • manche Kinder sind beim Entdecken und Ausprobieren von Spielzeug so vertieft, dass sie kaum auf Ansprache reagieren. Sprache wird für die Kinder eher zum „Hintergrundgeräusch“

  • manche Kinder wechseln rastlos von einem Spielzeug zum nächsten. Typisch ist dabei folgende Beobachtung: Der Boden liegt voller Spielmaterial, doch anstatt sich intensiver mit einem Gegenstand zu beschäftigen, sucht das Kind immer wieder nach etwas Neuem.

Verhalten

  • manche Kinder wirken zurückgezogen

  • nehmen wenig Blickkontakt auf

  • haben Schwierigkeiten, mit Gleichaltrigen in Kontakt zu treten

  • zeigen Frust oder aggressives Verhalten (z. B. Beißen), weil ihnen sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten fehlen

Wie läuft die Diagnostik ab?

Eine logopädische Diagnostik umfasst:

  • Anamnese mit den Eltern (Entwicklungsverlauf, Familiensprache)

  • Überprüfung des Sprachverständnisses

  • Erfassung des aktiven Wortschatzes

  • Beobachtung von Spielverhalten, Kommunikation und Interaktion

  • ggf. weitere Abklärung durch HNO- oder Kinderärzte

Wie läuft die Therapie ab?

Die Therapie richtet sich bei uns nach dem Ansatz der entwicklungspsychologischen Sprachtherapie nach Dr. Barbara Zollinger. Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Spiel, da Kinder hier Sprache in einem sinnvollen Zusammenhang erleben. Typische Inhalte sind:

  • Aufbau symbolischer Handlungen: das Kind lernt, bekannte Alltagssituationen im Spiel nachzuspielen, zum Beispiel Einkaufen, zu Bett gehen, einen Arztbesuch oder die Fahrt zur Kita. Dabei werden einzelne Handlungen miteinander verbunden, sodass eine kleine Geschichte entsteht.

  • Förderung von Blickkontakt: vom Kind zu anderen Personen als auch im Dreieck „Kind-Person-Gegenstand“

  • Erweiterung des Wortschatzes in Spielsituationen

  • Förderung des Sprachverständnisses

  • Begleitung von Eltern im Umgang mit Sprache im Alltag

Rolle der Eltern

Eltern spielen eine entscheidende Rolle im Therapieerfolg. Sie lernen, im Alltag gezielt sprachförderlich zu handeln:

  • Handlungen zielführend sprachlich zu begleiten. Sprache ermöglicht, das auszudrücken, was man nicht sieht: Gefühle, Erwartungen, Wünsche und Ziele.

  • dem Kind Zeit geben, eigene Beiträge zu machen

  • Spielideen des Kindes aufnehmen und spielerisch und sprachlich einbetten

  • Freude am gemeinsamen Tun zeigen

  • miteinander spielerisch in Kontakt zu treten und die gemeinsame Welt zu erfahren

Fazit

Nicht jedes Kind, das spät zu sprechen beginnt, entwickelt automatisch eine Sprachstörung. Dennoch sind frühe Abklärung und gegebenenfalls Therapie entscheidend, um Entwicklungsrisiken vorzubeugen. Der Zollinger-Ansatz setzt auf spielerisches, kindgerechtes Lernen, das den Sinn von Sprache erfahrbar macht. Mit professioneller Begleitung und der aktiven Einbindung der Eltern können viele Kinder ihren Rückstand aufholen und Sprache wird für sie zu einem Werkzeug, die Welt zu entdecken.

Tipps für Eltern

Die folgenden 7 Regeln sind kein Therapieersatz, aber sie helfen schon einmal weiter und können die Sprachentwicklung Ihres Kindes im Alltag unterstützen.

  1. Passendes Material: Wählen Sie Spielzeug, das Ihr Kind spannend findet und leicht erkennt.

  2. Impulse geben: Bringen Sie eigene Ideen ein oder schaffen Sie kleine Probleme, die Ihr Kind im Spiel lösen kann.

  3. einfache Aufträge: Geben Sie klare, kurze Anweisungen und spielen Sie notfalls vor, was gemeint ist.

  4. Bedeutung geben: Deuten Sie Handlungen Ihres Kindes spielerisch. Ihr Kind erkundet beispielsweise ein Spielzeugauto, dann sagen Sie „Ah, du reparierst das Auto!“.

  5. Liebevoll zurückholen: Lenkt sich Ihr Kind ab, holen Sie es freundlich ins Spiel zurück.

  6. Gefühle benennen: Sprechen Sie auch über Dinge, die man nicht sieht: Freude, Wünsche, Stolz.

  7. Sprache gezielt einsetzen: Kommentieren Sie nicht nur Offensichtliches, sondern nutzen Sie passende Momente für Sprache mit Bedeutung.